1032 km FAI Dreieck mit dem "Trüffelschwein"
Am 25.11.2009 versprach der Temp einen Thermikbeginn schon sehr früh noch während des Wetterbriefings. Als ich dann um 10.09 Uhr mit der DG500 endlich starten konnte, ging es im Blauen schon mit 3 m/s nach oben. So ging es die ersten 80 km noch mit niedriger Basis aber zuverlässig guten Steigwerten weiter bis ich kurz vor Rehoboth auf die ersten Cumuli traf. Dort stieg die Basis auch deutlich auf 3500 m an und der Weiterflug wurde immer komfortabler. Um 12.18 Uhr an den ersten Bergen hinter Gollschau wendete ich, um die bekannte "Rennstrecke" endlang der Berge zwischen Namib und Kalahari zum Zuuberg zu fliegen. Zwar hatte sich an diesem Tag keine Konvergenzlinie gebildet, unter der man dort häufig weite Strecken im kreislosen Delfinstil endlang gleiten kann, aber die Steigwerte waren mit 3,5 bis 5 m/s ausgezeichnet und erlaubten auch mit der DG500 einen sehr schnellen Vorflug mit 160 bis 190 km/h; dank der großen Dichtehöhe und ein wenig Rückenwind ergab dies häufig Geschwindigkeiten über Grund von mehr als 200 km/h. Als der Km-Zähler auf meinem Ipaq dann 500 km erreicht hatte, war es erst 14.45 Uhr. Bis Sonnenuntergang waren es noch mehr als 4 1/2 Stunden und auf dem zweiten Schenkel hatte ich eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 125 km/h erzielt. Damit kam mir bei Helmeringhausen zum ersten Mal die Idee, dass es heute vielleicht sogar für meine ersten 1000 km reichen könnte. Meistens wird dann im Wesentlichen die gleiche Strecke zurückgeflogen. Aber die Wettervorhersage hatte für den späteren Nachmittag verbreitet Schauer im Bereich Gamsberg/Gollschau "angedroht" und in Richtung Osten sah die Wolkenoptik so verlockend aus, dass ich mich entschied, ein FAI-Dreieck zu versuchen. Bis zum Lendepass an der Grenze zu Botswana waren es noch 330 km und von dort nach Bitterwasser noch einmal ca. 220 km. Ein Wendepunkt dort in der Nähe sollte also für die 1000 km reichen. Die Thermik war auch über der Hochebene genauso gut und zuverlässig wie vorher entlang der Berge. Zwar brauchte es manchmal lange Gleitstrecken, um endlich wieder einen zufriedenstellenden "Bart" von mindesten 2,5 m/s zu finden, aber es blieben mir immer wenigstens rund 1000 m über Grund, so dass ich meinen Flugweg noch nicht nach den in Namibia spärlichen Außenlandemöglichkeiten sondern allein nach der Wetteroptik voraus ausrichten konnte. Auf etwa der halben Strecke zum Lendepass traf ich dann auf die ersten Schauer unter einem Streifen breit gelaufener Wolken. Die Schauer waren aber - wie bei solchen Wetterlagen in Namibia typisch - leicht zu umfliegen und mit der hohen Basis von 4800 m war es auch kein Problem, den breiten Schattenstreifen zu queren und mit ausreichender Höhe die dahinter leuchtend einladenden Cumuli zu erreichen. Kurz vor dem Lendepass hatte der Km-Zähler des Ipaq die 800 überschritten und zurück nach Bitterwasser waren es noch 210 km. Zeit zum letzten Mal zu wenden. Jetzt war es 17.20, mir blieben also noch rund 2 Stunden für den Rückflug. Das sollte eigentlich reichen, aber die verlockend aussehende Wolke am Wendepunkt gab nicht viel her und in Richtung Bitterwasser sah es ziemlich schattig aus und unter breitgelaufenen Wolken standen eine Reihe von Schauern. Nach einem sehr langen Gleitflug bis auf 2000m (1000 m GND) hatte ich mich schon fast damit abgefunden, über dem noch sicher erreichbaren Airstrip von Aranos den Motor starten zu müssen, als ich über einem kleinen Sonnenfleck unverhofft auf 4 m/s Steigen traf. Nach oben lies es zwar etwas nach, aber nach nur 11 Minuten war ich schon wieder auf 4100 m und 129 km vor Bitterwasser fehlten nun nur noch ein paar hundert Meter, um "auf Gleitpfad" zu kommen. Nach weiteren 65 km Gleitflug ohne verwertbares Steigen dann endlich die Erlösung. Unter dem Rand einer ausgedehnten Wolke, unter deren Mitte bereits ein Schauer hing, fand ich zunächst 0,8 m/s Steigen, das mit zunehmender Höhe dann sogar noch auf über 2 m/s anstieg. Als der Schauer unter meiner Wolke sich immer mehr zu mir hin ausbreitete und mich die ersten Regentropfen trafen, flog ich ab. Jetzt, nur noch 64 km von Bitterwasser entfernt, mehr als 1000 m über Gleitpfad, noch über eine halbe Stunde bis Sonnenuntergang und keine Schauer voraus konnte nichts mehr schief gehen. 20 Minuten später war ich wieder über der vertrauten Pfanne. Noch einmal Konzentration auf die Landung und nach 9 h 03 min und 1032 km rollt die V5-GBK auf der Pfanne aus. Mein erster "Tausender" ist geschafft und das sogar als FAI-Dreieck auf einem Flugzeug, das einige Piloten verächtlich Trüffelschwein nennen. Ich liebe die DG500.
Martin Albers
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